
Die Schweiz hat einen exzellenten Ruf was das Recycling angeht, doch die Realität überrascht: Schweizerinnen und Schweizer produzieren über 700 Kilo Abfall pro Person im Jahr. Zwar werden rund 57 Prozent der Abfälle wiederverwertet, jedoch liegt die Quote beim Plastik Recycling Schweiz bei lediglich 3 Prozent. Das PET Recycling Schweiz hingegen erreicht beeindruckende 95 Prozent. Wir zeigen Ihnen in diesem Artikel, was tatsächlich mit Ihrem Abfall passiert, wie das Recyclingsystem funktioniert, welche Recycling Symbole Schweiz wichtig sind und was mit Materialien wie Tetra Pak geschieht.
Das Schweizer Recyclingsystem: Wie es funktioniert
Das Recyclingsystem in der Schweiz funktioniert durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Akteure und Mechanismen. Die Abfallwirtschaft basiert auf den Prinzipien der Abfallvermeidung, Wiederverwertung und umweltgerechten Entsorgung, wobei zahlreiche gesetzliche Vorschriften die Abfallbewirtschaftung fördern.
Die Akteure im Recyclingkreislauf
Die schweizerische Abfallwirtschaft ist ein gut funktionierendes System mit öffentlichen und privaten Akteuren. Recycling Schweiz, ehemals VSMR, vertritt als Branchenverband die Interessen der privaten Recycling-Betriebe und setzt sich für umwelt- und rohstoffschonende Wiederverwertung ein. Die Mitgliedsunternehmen wandeln Abfälle mit höchster Effizienz in wiederverwendbare Materialien um und bringen Sekundärrohstoffe in höchster Qualität zurück in den Wirtschaftskreislauf.
Die Finanzierung des Recyclingsystems erfolgt über unterschiedliche Modelle:
- Vorgezogene Entsorgungsgebühr (VEG): Beim Kauf von Getränkeflaschen aus Glas und Batterien wird diese gesetzlich vorgeschriebene Gebühr erhoben, um die späteren Entsorgungskosten zu decken
- Vorgezogener Recyclingbeitrag (VRB): Bei Aluminium-, Stahlblech- und PET-Getränkeflaschen basiert dieser Preiszuschlag auf freiwilligen Branchenvereinbarungen und wird auf den Verkaufspreis überwälzt
- Verordnung VREG: Seit 1998 verpflichtet sie Hersteller, Händler und Importeure von Elektro- und Elektronikgeräten zur kostenlosen Rücknahme. Die Recyclingsysteme von SENS eRecycling und Swico Recycling setzen diese Auflage um
Von der Sammlung zur Sortierung
Das Sammelnetz ist bemerkenswert dicht: PET-Getränkeflaschen können an über 60.000 Sammelstellen in der Schweiz abgegeben werden. Mit über 40 regionalen Entsorgungspartnern bleiben die Wege zwischen Transportunternehmen, Sammelstelle und Sortierzentrum kurz. Werden Flaschen bereits bei der Rückgabe zusammengedrückt, spart dies Gewicht und schont Ressourcen beim Transport.
Die Sortierung erfolgt in drei spezialisierten Sortierzentren in der Schweiz. Hierbei spielt moderne Technologie eine entscheidende Rolle. Die Sammelstelle Volketswil im Kanton Zürich beherbergt die modernste Abfallsortieranlage des Kantons. Das Herzstück bildet eine Infrarotkamera, die aus gesiebtem und geschreddertem Abfall verschiedene Materialien wie Karton und Papier auswählt. Diese Teile werden mit Druckluft herausgespickt und können später wiederverwertet werden. Die Maschine sortiert rund 20.000 Tonnen Abfall pro Jahr, wobei etwa zehn Prozent Material herausgefischt wird, das sonst in der Kehrichtverbrennung landen würde.
Nach der Sortierung werden die Materialien zu Ballen gepresst und sind bereit für den nächsten Verarbeitungsschritt. In ähnlicher Weise werden Papier und Karton gesammelt, an vielen Orten sogar vor der Haustüre abgeholt, und zum nächstgelegenen Sortierzentrum oder direkt in die Papier- oder Kartonfabrik transportiert.
Zahlen und Fakten zum Schweizer Recycling
Die Schweiz hat eine gesamte Recyclingquote von 52 Prozent erreicht. Im europäischen Vergleich gehört sie damit zu den Spitzenreitern. Pro Kopf wurden im Jahr 2022 laut Bundesamt für Umwelt 321 Kilogramm Abfälle verbrannt oder deponiert, gleichzeitig wurden 350 Kilogramm separat gesammelt, um Materialien wie Glas, Papier oder Metall weiterzuverwerten.
Die Recyclingquoten einzelner Materialien sind beeindruckend: Glas erreicht 100 Prozent, Getränkedosen 90 Prozent und PET-Getränkeflaschen 84 Prozent. Bei Papier und Karton recycelte jede Person in der Schweiz im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 130 Kilogramm, was einer Recyclingquote von 85 Prozent entspricht. Die Sammelquote bei Papier und Karton liegt bei 81,7 Prozent.
Besonders erfolgreich zeigt sich das Pay-as-you-throw-System: Kantone wie Zürich setzen auf kostenpflichtige Abfallsäcke, wodurch Haushalte bis zu 25 Prozent weniger Abfall produzieren. Im Kanton Zürich dürfte die Abfallmenge in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich weniger stark zunehmen als bisher angenommen, unter anderem durch zunehmende Separatsammlung von Bioabfall und Kunststoff sowie bessere Sortierung von Bauabfällen.
Die Reise Ihrer Abfälle: Was passiert mit welchem Material
Jede Verpackung nimmt einen anderen Weg, nachdem wir sie in die Sammlung geben. Die Unterschiede zwischen den Materialien sind dabei beträchtlich und nicht alle Recyclingprozesse halten, was sie versprechen.
PET-Flaschen: Der Recycling-Champion
PET Recycling Schweiz funktioniert nahezu perfekt. Mit einer Recyclingquote von 84 Prozent und über 70.000 Sammelstellen landesweit hat die Schweiz einen geschlossenen Kreislauf etabliert. Pro Jahr werden mehr als 1,6 Milliarden PET-Getränkeflaschen konsumiert, wovon 1,3 Milliarden gesammelt werden.
Der Sortiervorgang erfolgt in vier Zentren, wo Maschinen bis zu 150.000 Flaschen pro Stunde nach Farben trennen. Die Reinheit muss 99,9 Prozent betragen. Nach dem Zerkleinern zu Flakes trennt ein Wasserbad die PE-Deckel vom schwereren PET. Das gewonnene Recycling-PET erfüllt höchste Lebensmittelsicherheitsstandards und wird zu neuen Flaschen verarbeitet. Der durchschnittliche R-PET-Anteil liegt bei 60 Prozent, wodurch jährlich 34 Millionen Liter Erdöl eingespart und CO₂-Emissionen um 50 Prozent reduziert werden.
Plastik Recycling Schweiz: Die Realität hinter den Versprechungen
Während PET glänzt, sieht die Bilanz beim Plastik Recycling Schweiz ernüchternd aus. Jährlich fallen rund 790.000 Tonnen Kunststoffabfälle an, doch nur drei Prozent des Haushaltsplastiks werden recycelt. Verbrennen kostet 250 Franken pro Tonne, Recycling hingegen 750 Franken.
Von 100 Kilogramm gesammelten Haushaltplastiks können lediglich 66 Kilogramm aussortiert und dem Recyclingprozess zugeführt werden. Der Rest landet als Ersatzbrennstoff in der Zementindustrie oder in der Kehrichtverbrennung. Mehrschichtplastik wie Fleischverpackungen oder Tiernahrungsbeutel ist nicht recycelbar. Selbst bei intensiviertem Sammeln würde die tatsächlich erreichbare Recyclingrate nur 17 Prozent betragen, da das gewonnene Sekundärmaterial aufgrund seiner gemischten Zusammensetzung nur begrenzt Primärkunststoff ersetzen kann. In der Tat handelt es sich meist um Downcycling: Aus Joghurtbechern entstehen Parkbänken oder Blumentöpfe, aber keine neuen Lebensmittelverpackungen.
Glas, Aluminium und Metall: Die erfolgreichen Kreisläufe
Glas erreicht beeindruckende Werte. Im Jahr 2023 wurden 357.000 Tonnen Altglas gesammelt, wobei 70 Prozent farbgetrennt erfasst wurden. Für neues Weiss- und Braunglas kann bis zu 60 Prozent Altglas verwendet werden, bei Grünglas sogar bis 100 Prozent.
Aluminium zeigt ebenfalls Stärken: Neun von zehn Dosen gehen ins Recycling, bei Tiernahrungsschalen liegt die Quote bei 80 Prozent. Jährlich werden 14.500 Tonnen Aluminium gesammelt, davon 13.000 Tonnen Getränkedosen. Das Recycling spart gegenüber der Neuproduktion bis zu 95 Prozent Energie ein und reduziert den CO₂-Ausstoss um neun Kilogramm pro Kilogramm Aluminium.
Papier, Karton und Tetra Pak Recycling Schweiz
Zur Herstellung von 886.000 Tonnen Papier werden in der Schweiz etwa ebenso viele Tonnen Faserstoffe benötigt. Dabei stammen 95 Prozent aus der Wiederverwertung von Altpapier.
Tetra Pak Recycling Schweiz befindet sich im Aufbau. Getränkekartons bestehen zu 75 Prozent aus Karton, 21 Prozent aus Polyethylen und vier Prozent aus Aluminium. Pro Jahr gehen 18.000 Tonnen Verpackungsgewicht über den Ladentisch. Alle drei Schichten können recycelt werden: Die Kartonfasern werden zu Wellkarton oder Papierhandtüchern verarbeitet, aus dem Polyethylen-Aluminium-Gemisch entstehen Seifenspender, Paletten oder Möbel. Ziel sind Recyclingquoten von 70 Prozent bis 2030.
Elektronik und Sonderabfälle
Elektrische und elektronische Geräte müssen separat gesammelt werden, um Schwermetalle und Schadstoffe aus der Umwelt fernzuhalten. Händler und Hersteller nehmen ausgediente Geräte gratis zurück. Die Organisationen SENS eRecycling und Swico Recycling wickeln Sammlung und Entsorgung ab. Nach manueller Schadstoffentfrachtung erfolgt die mechanische Verarbeitung, wobei Eisen, Aluminium, Kupfer und Edelmetalle zurückgewonnen werden. Ein Kilogramm gesammelte Elektroaltgeräte spart so viel Umweltbelastung wie eine Autofahrt von Bern nach Thun.
Recycling Symbole Schweiz: Was bedeuten sie wirklich
Auf Verpackungen begegnen uns täglich dreieckige Symbole mit Zahlen und Buchstaben. Diese Recycling-Codes erwecken den Eindruck, dass die Verpackung problemlos recycelt werden kann. Die Wahrheit sieht anders aus.
Die sieben Kunststoff-Kategorien erklärt
Das Dreieck mit den drei Pfeilen und einer Nummer in der Mitte wurde 1988 von der Society of the Plastics Industry (SPI) veröffentlicht. Die Zahlen 01 bis 07 kennzeichnen verschiedene Kunststoffarten:
01 – PET (Polyethylenterephthalat): Getränkeflaschen und Lebensmittelschalen. Hohe Transparenz und Lösungsmittelbeständigkeit.
02 – HDPE (High Density Polyethylen): Waschmittelflaschen, Shampooflaschen und Ölfässer. Hohes Verhältnis von Festigkeit zu Dichte.
03 – PVC (Polyvinylchlorid): Rohre, Fensterprofile und Kabelisolierung. Der Chlorgehalt macht es hitzeempfindlich.
04 – LDPE (Low Density Polyethylen): Einkaufstüten, Schrumpffolie und Agrarfolie. Hohe Duktilität bei geringer Zugfestigkeit.
05 – PP (Polypropylen): Flaschenverschlüsse, Joghurtbecher und Stossstangen. Hoher Schmelzpunkt und chemische Beständigkeit.
06 – PS (Polystyrol): Expandierter Schaumstoff, Einwegbesteck und CD-Hüllen.
07 – Andere: Polycarbonat, ABS, Nylon und mehrschichtige Verpackungen. Diese Kategorie gilt als Kontaminationsrisiko, sofern die Materialien nicht eindeutig identifiziert wurden.
Welche Symbole garantieren echtes Recycling
Die ernüchternde Antwort: Keines dieser Symbole garantiert tatsächliches Recycling in der Schweiz. Die Dreiecksymbole kennzeichnen lediglich die Eigenschaften des Produkts oder der Verpackung, aber nicht, ob ein tatsächliches Recycling- und Sammelsystem in der Schweiz dazu besteht. Swiss Recycling empfiehlt sogar, diese Zeichen auf Produkten nicht zu verwenden, da sie irreführend sind.
In der Schweiz werden gegenwärtig nur Materialien mit den Codes 1 und 2 systematisch gesammelt und wiederverwertet. Das bedeutet: PET-Getränkeflaschen und Behälter aus HDPE wie Waschmittelflaschen. Für andere Plastikarten gibt es lediglich kleinere lokale Initiativen. Verpackungen mit den Codes 3 bis 7 haben praktisch keine Chance, jemals recycelt zu werden.
Der sogenannte Grüne Punkt, ein Kreis aus zwei Pfeilen, stammt ursprünglich aus Deutschland und kennzeichnet dort Verpackungen, für welche eine vorgezogene Verwertungsgebühr bezahlt wurde. Chris Rüegg von Swissrecycling stellt klar: Der Grüne Punkt ist ein Zeichen für Deutschland und hat für die Schweiz keine Bedeutung. Das Symbol bedeutet weder, dass eine Verpackung aus Recycling-Material besteht, noch dass sie zu 100 Prozent recycelt werden kann.
Häufige Missverständnisse bei Recycling-Kennzeichnungen
Das grösste Missverständnis: Die drei Pfeile im Dreieck symbolisieren zwar den Verwertungskreislauf, ob es für das jeweilige Material aber ein Sammel- und Recyclingsystem gibt, ist von Land zu Land und von Region zu Region unterschiedlich. Die Symbole suggerieren fälschlicherweise Recyclingfähigkeit.
Viele glauben, dass Verpackungen mit dem Recycling-Symbol automatisch wiederverwertet werden. Tatsächlich handelt es sich oft um Wishcycling, den Wunsch, dass etwas ins Recycling gegeben wird und auch tatsächlich wiederverwertet wird. Die Plastikproduzenten wissen, dass der grösste Teil des Plastikmülls nicht wieder in den Kreislauf gelangt.
Die Europäische Union hat durch Entscheidung 97/129/EG die Kunststoffcodes 1 bis 7 übernommen und durch weitere Codes für anderes Verpackungsmaterial ergänzt, beispielsweise 22 für Papier oder 41 für Aluminium. Allerdings hat die EU nicht für einheitliche Verwertungskreisläufe gesorgt. Die Praxis sieht dementsprechend in jedem Land und in jeder Region anders aus.
Die Codes wurden ursprünglich von der ASTM International für die Materialidentifikation entwickelt, explizit nicht für das Recycling. Sie sollten lediglich eine Sortierung durch den Verbraucher ermöglichen. Diese ursprüngliche Funktion steht im krassen Gegensatz zur heutigen Wahrnehmung der Konsumenten.
Die wirtschaftliche Realität: Kosten und Rentabilität
Hinter dem funktionierenden System stehen erhebliche Kosten. Die Entsorgung sämtlicher Abfälle kostet die Schweiz insgesamt gut CHF 3 Milliarden pro Jahr. Grundsätzlich gilt das Verursacherprinzip: Wer Abfälle verursacht, muss auch für ihre Beseitigung bezahlen. Verursachergerechte Abfallgebühren tragen dazu bei, dass Abfälle vermehrt stofflich verwertet werden und stellen die Finanzierung einer umweltgerechten Siedlungsabfallentsorgung sicher. Mehr unter: https://www.bafu.admin.ch/de/rohstoffe-abfall-und-kreislaufwirtschaft-das-wichtigste-in-kuerze

Warum Verbrennung oft günstiger ist als Recycling
Die wirtschaftlichen Anreize sprechen eine klare Sprache. Der jährliche Aufwand für die Verbrennung des Siedlungsabfalls beläuft sich bei einem durchschnittlichen Verbrennungspreis von rund CHF 140 pro Tonne auf insgesamt etwa 0,4 Milliarden Franken. Das entspricht einem Aufwand von knapp CHF 50 pro Person und Jahr. Recycling hingegen verursacht deutlich höhere Kosten. Bei Kunststoff kostet das Verbrennen 250 Franken pro Tonne, während Recycling auf 750 Franken pro Tonne kommt. Das Recycling ist dreimal so teuer wie das Verbrennen in einer Kehrichtverbrennungsanlage.
In der Schweiz werden zurzeit 30 Kehrichtverbrennungsanlagen betrieben. Die grössten Anlagen weisen Verbrennungskapazitäten von etwas mehr als 200.000 Tonnen Abfall pro Jahr auf. Damit werden Grössenvorteile nur beschränkt ausgeschöpft. Zudem besteht über die Hälfte des Abfalls aus Wertstoffen wie Kompost, Papier, Karton und Kunststoffen. Die Energieeffizienz der Anlagen bleibt dabei problematisch. Nur zwei von 30 Kehrichtverbrennungsanlagen erreichen einen Wärmenutzungsgrad von über 60 Prozent. Der Durchschnitt liegt bei mageren 26,7 Prozent, bei der Stromnutzung sogar nur bei 17,2 Prozent.
Der Markt für Sekundärrohstoffe
Die Rentabilität von Recycling hängt massgeblich vom Markt für Sekundärrohstoffe ab. Die Kosten pro Tonne separat gesammelten Kunststoffs belaufen sich auf etwa 500 Franken. Bei rund 460.000 Tonnen jährlichen Kunststoffabfalls würden die direkten jährlichen Kosten wohl 200 Millionen Franken übersteigen. Ein sortierter Sack von 35 Liter hat keinen Wert, sondern verursacht im Gegenteil Kosten von 10 Rappen, weil Kunststoff aus China und den USA den europäischen Markt flutet und den Preis drückt. Das Granulat, das aus recyceltem Plastik hergestellt wird, hat Absatzprobleme, denn Neuplastik ist überall billig erhältlich und einfacher zu verarbeiten.
Auch beim Karton zeigt sich die Marktabhängigkeit. Der Kartonpreis ist so im Keller, dass Sammelhöfe und Gemeinden etwas verlangen für die Entsorgung. Für nach Farben sauber getrenntes Glas erhält eine Gemeinde rund 90 Franken pro Tonne. Das Recycling kostet, weil der Verkauf der recycelten Materialien bisher nicht die vollen Sammel- und Logistikkosten deckt. Beim Streit um Plastiksammlung geht es deshalb auch um finanzielle Interessen und die Verteidigung der Monopole in der Abfallwirtschaft.
Wer finanziert das Recyclingsystem
Die Finanzierung verteilt sich auf mehrere Schultern. Littering verursacht jährlich Kosten von rund CHF 200 Millionen für die Gemeinden sowie den öffentlichen Verkehr. Weitaus grösser fallen jedoch die versteckten Kosten aus. Schätzt man die Kosten für die private Sortierleistung, ergeben sich Zahlen in ungeahnter Grössenordnung. Die jährlichen Kosten liegen je nach Stundenansatz zwischen 3,2 und 5 Milliarden Franken. So viel unbezahlte Arbeitskraft stecken die Schweizer Haushalte aggregiert in die Sammlung, Aufbewahrung und Trennung des Abfalls.
Die Grüngut-Entsorgung ist teuer, weil grosse Mengen bewältigt werden müssen. Der Transport kostet je Tonne rund 115 Franken, dazu kommt die Verwertung von rund 125 Franken. Das ergibt Kosten von 240 Franken pro Tonne Grüngut. Durchschnittlich bezahlt jeder Schweizer und jede Schweizerin 63 Franken fürs Recycling pro Jahr. Der Betrag ist vom Verbrauch abhängig und von Person zu Person unterschiedlich.
Probleme und Herausforderungen im Schweizer Recycling
Die Sortierung und Verarbeitung von Kunststoffabfällen stellt das Schweizer System vor massive Probleme. Bei Haushaltskunststoffen sind aufgrund der zahlreichen Kunststoffarten und Zusatzstoffe sowie der teilweise beträchtlichen Verschmutzungen die Herausforderungen hinsichtlich Sortierung und stoffliche Verwertung noch gross. Jährlich fallen in Schweizer Haushalten rund 190.000 Tonnen Kunststoffverpackungen und Getränkekartons als Abfall an.
Nur 3 Prozent des Haushaltsplastiks wird recycelt
Die Sammelquote lag 2024 bei lediglich 6,1 Prozent. Von den erfassten Mengen wurde wiederum nur rund die Hälfte zu Rezyklaten aufbereitet. Der Rest landete in Zementwerken und Müllverbrennungsanlagen. Anders ausgedrückt: Aktuell werden lediglich drei Prozent des Haushaltsabfalls tatsächlich recycelt, während der Rest in der Kehrichtverbrennung landet.
Das Problem liegt in der Beschaffenheit der Abfälle. Anders als bei der sortenreinen PET-Flasche handelt es sich bei Haushaltsplastik oft um einen Mix aus verschiedenen Kunststoffen und Verbundmaterialien. Kunststoffe werden mithilfe von Tausenden verschiedener Chemikalien, Additiven und Farben hergestellt. Viele davon, wie UV-Stabilisatoren oder Flammschutzmittel, sind gesundheitsschädigend. Die Hersteller kombinieren die Zusätze für fast jedes Produkt unterschiedlich, was sinnvolles Recycling verunmöglicht.
Downcycling statt echtem Recycling
Das meiste sogenannte Plastikrecycling ist tatsächlich Downcycling. Ein neues Produkt enthält nur einen geringen Teil des aufbereiteten Kunststoffs, weil dessen Qualität trotz allem nicht ausreicht. Bei Metallen zeigt sich ein ähnliches Bild. Kupfer im Stahlschrott lässt sich beim Einschmelzen nicht mehr entfernen. Selbst kleinste Mengen beeinträchtigen die Materialeigenschaften wie Verformbarkeit und Schweisseignung. Der so entstandene Recyclingstahl taugt dann nicht mehr für sicherheitsrelevante Bauteile im Fahrzeugbau oder für präzise Maschinenkomponenten, sondern landet im Tiefbau als Stahlverstärkung in Beton.
Kontamination und Sortierprobleme
Verunreinigungen bedrohen die Zukunft des Recyclings. Die überwiegende Mehrheit des recycelbaren Materials, das gesammelt und nach Übersee verschifft wurde, war mit kontaminiertem Material gefüllt. Im Jahr 2018 entschied die chinesische Regierung, neue strenge Standards für importiertes recycelbares Material einzuführen. Die neuen Vorschriften unterbinden grundsätzlich den Export von recycelbaren Kunststoff- und Fasermaterialien aus westlichen Ländern.
Schwarzes Plastik wird beispielsweise in Sortieranlagen nicht erkannt und deshalb verbrannt. Künstlich intelligente Kommissioniergeräte lernen zwar, recycelbare Materialien zu sortieren, allerdings wird es Jahre dauern, bis diese Maschinen mit der erforderlichen Präzision arbeiten können.
Der Export von Recyclingmaterial
Die Schweiz exportiert jährlich viele Tausende Tonnen Plastik in Länder der Europäischen Union. Im Jahr 2022 wurden rund 88.000 Tonnen exportiert, etwa 39 Prozent davon landeten in Deutschland. Das entspricht circa 34.000 Tonnen. Sortieren könnte man auch in der Schweiz, jedoch haben deutsche Nachbarn mit 42 Prozent eine höhere Recyclingquote beim Plastik. Die Schweiz verfügt nicht über genügend Trenn- und Recyclingkapazitäten, um alles zu verarbeiten, was gesammelt wird.
Jährlich werden rund 800.000 Tonnen Baustellenabfälle ins Ausland exportiert. Die Ausfuhr von kontrollpflichtigen Abfällen ohne Bewilligung ist verboten. Stellen Welt- oder Zollbehörden fest, dass Abfälle illegal ausgeführt werden, müssen diese in den Ausfuhrstaat zurückgeführt werden. Die entstehenden Kosten für Rücktransport, Triagierung, Entsorgung und Überwachung müssen durch den Exporteur getragen werden.
Was Sie tun können: Praktische Tipps für besseres Recycling
Wir haben gesehen, wo die Probleme liegen. Jetzt zeige ich Ihnen, wie Sie konkret zu besseren Recyclingquoten beitragen können.
Richtig trennen und entsorgen
Die korrekte Trennung beginnt in der Küche. Schweizerinnen und Schweizer werfen durchschnittlich 35 Mal am Tag etwas weg. Bei Glas müssen Sie unbedingt Weiss- und Buntglas trennen, denn eine einzige Buntglasflasche kann bis zu 500 Kilogramm Weissglas verfärben. Joghurtdeckel sollten Sie vor der Entsorgung abwaschen. Bei Aluminium gilt: Dosen nicht zerdrücken, da dies den Recyclingprozess erschwert.
Bioabfälle gehören auf den Kompost oder in die Biotonne, jedoch nur kompostierbare Reste wie Obst, Gemüse, Backwaren und Kaffeesatz. Batterien, LED-Lampen, Medikamente und Chemikalien haben im normalen Kehricht nichts verloren. Diese müssen Sie bei speziellen Sammelstellen oder in Apotheken abgeben.
Vermeiden vor Recyceln: Die Abfallhierarchie
Die Abfallhierarchie definiert klare Prioritäten: Vermeidung steht an erster Stelle, gefolgt von Wiederverwendung, Recycling, energetischer Verwertung und zuletzt Deponierung. Kaufen Sie weniger, dafür Dinge in guter Qualität. Secondhand-Produkte schonen Ressourcen. Lassen Sie Kleider, Schuhe und Elektrogeräte reparieren, bevor Sie sie wegwerfen.
Reduzieren Sie Lebensmittelabfälle durch richtige Lagerung und verzichten Sie auf XXL-Packungen. Trinken Sie Leitungswasser statt Wasser aus Plastikflaschen. Nutzen Sie Mehrweggeschirr unterwegs. Seit dem Jahr 2000 wird in der Schweiz kein Hauskehricht mehr auf Deponien entsorgt.
Lokale Sammelstellen und ihre Angebote
Über 60.000 Sammelstellen stehen für PET-Flaschen bereit. Auf recycling-map.ch finden Sie die nächstgelegenen Entsorgungsmöglichkeiten. Wählen Sie Ihren Kanton aus, geben Sie den Abfalltyp ein und erhalten Sie Standorte sowie Kontaktdaten.
Basel-Stadt bietet öffentliche Recyclingstationen für Glas, Weissblech, Aluminium und Batterien. Recyclingparks ermöglichen die kostenlose Entsorgung von Altpapier, Batterien, PET-Flaschen und Elektronikgeräten. In Bern dürfen Sie Montag bis Samstag von 07.00 bis 20.00 Uhr an Sammelstellen entsorgen.
Die BISOU-Methode für bewussten Konsum
Marie Duboin Lefèvre und Herveline Verdeken entwickelten die BISOU-Methode für bewussten Konsum. Vor jedem Kauf stellen Sie sich fünf Fragen: B wie Bedarf – Welchem echten Bedarf entspricht dieser Kauf? I wie Unmittelbar – Brauche ich es sofort oder kann es warten? S wie Ähnlich – Besitze ich bereits einen ähnlichen Artikel? O wie Herkunft – Woher kommt das Produkt und unter welchen Bedingungen wurde es hergestellt? U wie Nützlich – Ist es wirklich nützlich oder dient es nur einem kurzfristigen Bedürfnis?
Die Methode hilft, Überkonsum zu bekämpfen und weniger Abfall zu produzieren. Sie sparen Geld und schonen gleichzeitig die Umwelt.

Fazit
Recycling Schweiz funktioniert besser als in vielen Ländern, jedoch längst nicht perfekt. Während PET, Glas und Aluminium beeindruckende Quoten erreichen, zeigt sich beim Plastik die harte Realität: Nur drei Prozent werden tatsächlich recycelt. Die Recycling-Symbole auf Verpackungen versprechen mehr, als das System halten kann. Dennoch können Sie etwas bewirken. Trennen Sie Ihren Abfall korrekt, vermeiden Sie Plastik wo möglich und nutzen Sie die zahlreichen Sammelstellen. Die BISOU-Methode hilft Ihnen dabei, Abfall von vornherein zu reduzieren. Jede richtig entsorgte Flasche und jeder bewusste Kaufentscheid tragen zu einem funktionierenden Kreislauf bei.
FAQs
Q1. Wie hoch ist die Recyclingquote in der Schweiz? Die Schweiz erreicht eine Gesamtrecyclingquote von etwa 52 bis 57 Prozent. Während Materialien wie PET-Flaschen (84%), Glas (100%) und Aluminium (90%) sehr hohe Recyclingquoten aufweisen, liegt die Quote beim Haushaltsplastik bei lediglich 3 Prozent. Rund 50 Prozent der Siedlungsabfälle werden recycelt, der Rest wird zur Energiegewinnung in Kehrichtverbrennungsanlagen genutzt.
Q2. Was geschieht mit recyceltem Material in der Schweiz? Recyceltes Material durchläuft verschiedene Verwertungsprozesse. PET-Flaschen werden zu neuen Flaschen verarbeitet, Glas wird zu bis zu 100 Prozent wiederverwendet, und Aluminium spart beim Recycling bis zu 95 Prozent Energie. Allerdings wird ein Teil des gesammelten Materials exportiert, da die Schweiz nicht über ausreichende Verarbeitungskapazitäten verfügt. Zudem handelt es sich bei vielen Kunststoffen eher um Downcycling, wobei aus Joghurtbechern beispielsweise Parkbänke entstehen.
Q3. Werden in der Schweiz Abfälle auf Deponien entsorgt? Nein, seit dem Jahr 2000 wird in der Schweiz kein Hauskehricht mehr auf Deponien entsorgt. Siedlungsabfälle, die nicht recycelt werden können, landen in einer der 30 Kehrichtverbrennungsanlagen zur Energiegewinnung. Pro Kopf werden jährlich etwa 321 Kilogramm Abfälle verbrannt, während 350 Kilogramm separat gesammelt und recycelt werden.
Q4. Warum wird so wenig Plastik in der Schweiz recycelt? Das Recycling von Haushaltsplastik ist dreimal teurer als die Verbrennung (750 Franken gegenüber 250 Franken pro Tonne). Zudem besteht Haushaltsplastik aus einem Mix verschiedener Kunststoffarten mit unterschiedlichen Zusatzstoffen, was die Sortierung und Wiederverwertung erschwert. Von 100 Kilogramm gesammeltem Plastik können nur etwa 66 Kilogramm tatsächlich dem Recyclingprozess zugeführt werden, der Rest wird verbrannt.
Q5. Was bedeuten die Recycling-Symbole auf Verpackungen wirklich? Die dreieckigen Symbole mit Zahlen von 01 bis 07 kennzeichnen lediglich die Kunststoffart, garantieren aber kein tatsächliches Recycling in der Schweiz. In der Schweiz werden derzeit nur Materialien mit den Codes 1 (PET) und 2 (HDPE) systematisch recycelt. Die Symbole sind irreführend, da sie einen funktionierenden Recyclingkreislauf suggerieren, der für die meisten Kunststoffarten nicht existiert.